R128 offline – Loudnessanalyse mit Audio-Suite-Plugins

Loudness-Plugins

Die R128-Empfehlung der EBU gibt dem Audio-Produzenten Kriterien an die Hand, um sein Produkt im Hinblick auf Loudness zu beurteilen. Wichtig ist das beispielsweise, um einen Beitrag nahtlos in ein Hörfunkprogramm einzupassen oder Werbung und Trailer ohne Lautheitsbruch zwischen anderen Programmbeiträgen zu platzieren. Neben der „Live-Meter“-Überwachung während der Produktion ist auch – gerade bei kurzen Programmelementen – die Offline-Messung und eventuelle Korrektur ein gutes Hilfsmittel. In Pro Tools ist das durch die Verwendung von Audio-Suite-Plugins möglich. Einige dieser Offline-Helfer werden hier vorgestellt.

Izotope Insight mit Historyplot und Soundfield-Goniometer

Izotope Insight mit Historyplot und Soundfield-Goniometer, Quelle: Eigener Screenshot

Insight

Das Loudness-Plugin Insight von Izotope zeigt als Audio-Suite-Plugin lediglich die integrierte Loudness und den maximalen True-Peak-Wert an. Maximaler Short-term-Wert und LRA fehlen. Gut ist der Analyze-Button, der eine Messung durchführt, ohne dass eine neue Datei gerendert wird. Klangfreund, RTW und TC Electronic haben ihren Plugins dieses Feature ebenfalls gegönnt. Auf einem Mac mini mit i7-Quadcore, 16 GB RAM und herkömmlicher Festplatte braucht Insight für die Messung von etwa 40 Minuten in Stereo über eine Minute.

LUFS-Meter

Das LUFS-Meter von Klangfreund erledigt diese Aufgabe in schnellen 26 Sekunden. MaxS und LRA werden angezeigt – das ist gut. Pfiffig sind auch der Adjust-Button zum Loudness-Abgleich und die Sync-Möglichkeit mit mehreren LUFS-Meter-Instanzen. Die Offline-Funktionalität erscheint allerdings etwas halbherzig umgesetzt: Der Historyplot wird nicht korrekt generiert, und die Pause-Funktion ist komplett überflüssig.

Loudness Tools

RTW hat bei der neuen Version 4 seiner Loudness Tools deutlich nachgebessert. Die Offline-Funktionalität (Audio Suite und Offline Bounce) der alten Version ergab vom Echtzeitbetrieb stark abweichende Werte. Das funktioniert jetzt einwandfrei. Auch die bereits erwähnte Analyse-Funktion ohne Rendern ist erfreulicherweise vorhanden. Der maximale Short-term-Wert wird angezeigt – wichtig zur Beurteilung von kurzen Programmelementen wie Jingles, Trailer und Werbung. Auch die Angabe LRA kann man ablesen. Weitreichende Konfigurierbarkeit ist nach wie vor das Kennzeichen des RTW-Plugins.

LM2n und LC2n

LC2n von TC Eletronic

LC2n von TC Eletronic, Quelle: Eigener Screenshot

TC Electronic hat neben dem R128-Meter LM2n (LM6n für Surround) auch ein Analyse- und Korrektur-Tool namens LC2n (respektive LC6n) im Programm. Dieses gibt es sinnvollerweise nur als Audio-Suite-Plugin und in einer Standalone-Version. Die LM- und LC-Plugins haben in der Audio-Suite-Version einen Analyse-Knopf und ermitteln natürlich dieselben Messwerte. Sehr übersichtlich ist dabei das Statistik-Panel des LM2n. Alles benötigte kann man darauf lesen. Das LC2n als Korrektur-Werkzeug besitzt auch einen True-Peak-Limiter. Die Standalone-Version des LC2n kann ein bestimmtes Verzeichnis beobachten und dort hineingelegte Dateien automatisch bearbeiten. Bei der Messung geht das LC2n besonders gemächlich vor: Es benötigte 2‘21 für 40 Minuten in Stereo. Das LM2n war mit 1‘05 mehr als doppelt so schnell, im Vergleich aber noch recht lahm.

TC Electonic LM2n, Statistik-Panel

TC Electonic LM2n, Statistik-Panel, Quelle: Eigener Screenshot

WLM plus

Das WLM plus von Waves gehört zu den Kandidaten, die rendern müssen, um messen zu können. Ein Peak-Limiter ist gleich mit an Bord und mit dem Trim-Knopf kann man im Nu einen Abgleich auf den Referenzwert machen – das ist sehr praktisch. Auch kann man eine Warning-Automationskurve schreiben, die die neuralgischen Stellen im Audio markiert. Leider patzt das WLM plus beim maximalen Short-term-Wert. Den kann man nicht auf einer numerischen Anzeige ablesen; nur indirekt durch eine Over-Anzeige erfährt man, ob dieser Wert zu hoch liegt. Die Analyse von 40 Minuten Audio dauerte 44 Sekunden.

PPMulator XL

Im Offline-Betrieb ist der kleine PPMulator von Z-Plane aus Berlin in Sachen Loudness nicht sehr auskunftsfreudig. Den MaxS-Wert gibt es erst gar nicht, und im Audio-Suite-Modus bleibt das Feld für den maximalen True-Peak-Wert auch noch leer. So muss man sich mit integrierter Lautheit und dem Loudness Range zufrieden geben. Die vielen zusätzlichen Display-Typen wie DIN-Spitzenspannungsmesser und Stereosichtgerät/Goniometer sind zwar nicht übel, aber als Offline-Analysewerkzeug für Loudness taugt der PPMulator lediglich im Batch-Modus, wo er einen ganzen Batzen Audiodateien auf LK-, LRA- und MaxTP-Werte untersuchen kann, und das auch noch ziemlich flott. Das Ergebnis lässt sich über das Clipboard in einen Editor laden und mit Suchen/Ersetzen in eine importfähige CSV-Datei umwandeln. Perfekt wäre es, wenn der PPMulator selber einen CSV-Export besäße. Die 40-Minuten-Datei wurde in nur 21 Sekunden gemessen.

Zplane PPMulator XXL Batch-Modus

Zplane PPMulator XXL Batch-Modus, Quelle: Eigener Screenshot

Fazit

Alle Plugins ergaben mit dem Testmaterial exakt denselben LK-Wert. Auch die MaxS-Anzeige, wenn sie denn überhaupt vorhanden war, zeigte identische Werte. Lediglich der MaxTP-Wert differierte um 0,3 dB und der Loudness Range schwankte zwischen 9,0 und 10,0 LU. Letzteres kann leicht passieren, wenn die Messung mit den verschiedenen Plugins nicht zum exakt gleichen Zeitpunkt beendet wird.

Auf den Anzeigen von TC Electronic LM2n, den Loudness Tools von RTW und dem preisgünstigen LUFS-Meter von Klangfreund kann man alle erforderlichen Werte auf einen Blick ablesen. Das LUFS-Meter und das WLM plus von Waves erlauben die Loudness-Korrektur in der DAW per Knopfdruck. Das LC2n (Loudness Correct) von TC-Electronic dagegen kann eine einzelne Audiodatei in einem Rutsch analysieren und lautheitskorrigiert wieder auf die Festplatte schreiben (Audio Suite und Standalone).

Hersteller: Zplane (PPMulator XL), Waves (WLM plus), TC Electronic (LM2n, LC2n), RTW (Loudness Tools),  Klangfreund (LUFS-Meter), Izotope (Insight)